* Typisch Ibiza: die berühmte "Salsa de Nadal" - Weihnachtssauce


Foto: visitsantaeulalia.com
Foto: visitsantaeulalia.com

Auf den Spuren der legendären Salsa de Nadal ver- suche ich, die kulinarischen Geheimnisse der berühmten Weihnachtssauce zu lüften.

"Der Ursprung der Sauce ist so alt, dass sich kein Ibizenco traut, ein genaues Datum festzulegen" erzählt mir meine Nachbarin Señora Eulalia.

Die Salsa de Nadal wird an den Weihnachtstagen als Dessert aber auch gerne als Vorspeise gegessen, entweder allein oder zusammen mit dem berühmten Biscocho ibicenco, dem typischen Biskuit für diese Jahreszeit auf Ibiza - und: sie sollte sehr heiss serviert werden, denn einer der Vorzüge dieses Dessert ist, dass es aufgrund des hohen Kaloriengehalts auch als besonderes Abendessen beliebt ist.

So ist die Salsa de Nadal wie jedes Jahr zu Weihnachten der unbestrittene Star in Ibizas Küchen und wird in vielen Familien zubereitet.

Alle traditionellen ibizenkischen Desserts haben Ähnlichkeiten mit vielen Süss-Speisen auf dem spanischen Festland oder anderen Mittelmeer-Ländern. Bei der Salsa de Nadal  ist dies nicht der Fall - das typischste aller typischen Ibiza-Desserts gibt es sonst nirgendwo auf der Welt und ist mit keinem anderen Rezept vergleichbar.

Die vielfältigen Zutaten, zusammen mit den Geschichten und Legenden, die sich um den uralten wie unbekannten Ursprung ranken, machen die Salsa de Nadal zu einer ganz besonderen Leckerei der einheimischen Küche. Es wird angenommen, dass sie arabischen Ursprungs ist - aber auch die Landbevölkerung ist an ihr beteiligt, denn in  der Vergangenheit diente die Sauce den Bauern, die von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang hart auf den Feldern gearbeitet haben, als wichtiges Lebensmittel.

Heute ist sie ein Symbol für die ibizenkische Weihnacht.

Señora Eulalias Aufzählung der unglaublichen Zusammenstellung der Zutaten für dieses aussergewöhnliche Rezept haben mich ziemlich schwer verwirrt: "Lammfleisch und Hühnchen, verschiedene Gewürze, Salz - ich kann kaum glauben, dass dies alles für ein Dessert sein soll - und doch wird bei der Zubereitung Pfeffer, Zucker, Honig, Zimt, Safran, Nelken, Muskat, Eier und natürlich gemahlene Mandeln zugefügt" plaudert wissend Señora Eulalia. "Die Mandeln sind die Seele der Salsa de Nadal." ergänzt sich noch. Früher hat sie die Sorte Patrona verwendet, eine runde, breite Mandelsorte, die es leider nicht mehr gibt - heute kauft sie eine alltägliche Sorte auf dem Markt. Aus all dem entsteht dann nach mehreren Stunden in der Küche etwas ähnliches wie weicher Nougat

Wie bei den meisten traditionellen Speisen auf der Insel, hat auch die Salsa de Nadal im Laufe der Jahre zu einer unendlichen Anzahl von familiären Rezepten geführt was manchmal zu hitzigen Diskussionen zwischen den Liebhabern der traditionellen Salsa (die Hühnerbrühe und Zutaten wie Sobrassada, Butifarra oder Speck enthält) und diejenigen, die auf eine leichtere, moderne Variante setzen (bei der die Hühnerbrühe durch Wasser ersetzt wird) führen.

Señora Eulalia erklärt mir, dass die Grundlage für eine Salsa de Nadal eine sehr gute Brühe ist, in die später die anderern Zutaten gegeben wird. Sie persönlich bevorzugt nur Hühnchen "Mir scheint, dass Lammfleisch zuviel Fleischgeschmack gibt, während das Huhn eine feinere Brühe gibt."

Auch die Zugabe der verschiedenen Gewürze ist ihr sehr wichtig: "Damit muss man vorsichtig umgehen, denn sie geben der Sauce die persönliche Note und helfen, sie nach Fertigstellung auch haltbar zu machen."

"Aber man muss auch beim Abschmecken aufpassen" meint sie "Wenn man zu viel Honig hinzufügt, wird die Salsa zu würzig. Wenn zu viel Zucker, klar, dann wird sie zu süss und wenn zu viele Eier verarbeitet werden, kann man die Sauce schneiden." warnt Señora Eulalia, die IHR Familienrezept vor vielen Jahren von ihren Eltern gelernt hat und die Salsa de Nadal  jedes Jahr für ihre vier Geschwister und deren Familien zubereitet.

Bei der Zubereitung der Salsa ständig in die gleiche Richtung umrühren oder einen Holzlöffel verwenden, mit dem noch kein anderes Gericht gekocht wurde, empfiehlt die erfahrene Hausfrau jedem - also auch mir - der sich an dieses einzigartige Rezept wagt und dessen Zubereitung als wahres Ritual betrachtet werden kann.

Die Tatsache, dass, obwohl das Rezept in den letzten Jahrzehnten eher "leichter" geworden ist, seine vielfältigen Zutaten immer noch eine gewisse Überraschung bei den Lecker-Essern erzeugen, die die Salsa de Nadal zum ersten Mal probieren ... und, abgesehen von den Diskussionen und Vorurteilen finde ich es bewunderswert, wie die Ibizencos ihre kulinarischen Traditionen aufrechterhalten und dafür sorgen, dass auch dieses wirklich sehr spezielle Gericht bis heute überlebt hat und in der Weihnachtszeit bis Drei Könige auf keinem Festtagstisch auf der Insel Ibiza fehlen darf.

Foto: turismo.eivissa.es
Foto: turismo.eivissa.es

In seinem Kochbuch

"Bon Profit!

El llibre de la cuina eivissenca"

des bekannten ibizenkischen Autors Joan Castelló Guasch habe ich ein Rezept für eine traditionelle Zubereitung einer Salsa de Nadal gefunden ...

bei der sehr freien Übersetzung bitte ich um Nachsicht:

 

Zuerst die Mandeln schälen, rösten, hacken und dann mit den Eiern zu einer gut gebundenen Masse vermischen.

Separat eine Brühe zubereiten (Zicklein-, Schweine-, Rinder-, Hühner- oder Geflügel-brühe), der dann Salz, Safran und eine Prise Pfeffer zugesetzt werden.

In einen Steingut-Topf durchsieben und mit dem Mandelmus vermischen. Dann Zucker, Zimt und Gewürze nach Geschmack hinzufügen. Mit einem Holzlöffel etwa eine Stunde lang ständig in die gleiche Richtung rühren.

Das Ergebnis ist eine mehr oder weniger dicke Sauce mit einem Geschmack, der an "Turrón de Jijona" erinnert (Nougat aus der Stadt Jijona in der Provinz Alicante).

Xtra-Tipp: In Jijona gibt es "köstliches" Turrón-Museum:

www.museodelturron.com

Falls Sie an den Weihnachtstagen die Möglichkeit haben, eine Salsa de Nadal einmal zu probieren, sollten Sie das unbedingt machen - sie wird Sie überraschen, da bin ich mir sicher.

Die Salsa de Nadal wird in einigen Bäckereien und auf Weihnachtsmärkten in 1/2 und 1 Liter Packungen zum Kauf angeboten - wundern Sie sich aber nicht über den Preis - sie ist nicht preiswert - aber ihren Preis wert ...

 

Ich wünsche guten Appetit und BonProfit !!!

 

 


Alle Angaben ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Evtl. Irrtümer und Änderungen vorbehalten.

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